Der Beginn - Meek-Micrografting
Im Jahr 1958 wurde von C.P. Meek1 eine bemerkenswerte Expansionstechnik für Eigenhaut-Transplantate beschrieben. Mit einem Meek-Wall-Hautschneidegerät wurden quaratische Eigenhautinseln gewonnen und danach mit Hilfe eines doppelt gefalteten Gewebes expandiert. Auf diese Weise wurde eine regelmäßige Verteilung der Eigenhautinseln erreicht mit einer neunfachen Expansion. Aber diese Technik wurde von der Einführung der "Meshgraft"-Technik (Tanner et al. 1964) in den Schatten gestellt, die Herstellung der Maschinen und Gewebe wurde danach beendet. 1Am. J.Surgery, vol. 96, 557-558 (1958)
Das Problem
Der Mangel an Spenderarealen ist jedoch immer mehr zum einschränkenden Faktor geworden, um bei Schwerbrandverletzungen eine völlige Wundbedeckung zu erreichen. Die „Meshgraft“-Technik braucht Spenderareale mit passender Abmessung und Form, und die Epitelisierung kann verzögert werden bei Expansionsraten größer als 1:6. Außerdem werden sehr weit ausgebreitete gemeshte Eigenhauttransplantate unhandlich.
Die Lösung
In enger Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz Krankenhaus in Beverwijk, Niederlande, hat unser Lieferant, die Firma HUMECA, NL-Enschede, die Meek-Technik wieder entdeckt. Unvollkommenheiten der Originalmethode wurden ausgeräumt, jetzt können vorgefaltete Gewebe mit Expansionsraten 1:3, 1:4, 1:6 und 1:9 hergestellt werden. Die klinischen Resultate dieser Micrograft-Technik sind ausgezeichnet2. Die Take-Rate ist hervorragend, sogar in problematischen Arealen und bei einem qualitativ infektiösen Wundbett (z.B. bei nur teilweise debridierten oder infizierten Wunden)3. Die verbesserte Micrograft-Technik bewährt sich als eine elegante Methode zum Anbringen eines regelmäßigen Musters von 196 Hautinseln auf der Wundoberfläche.
2 Burns, vol. 19,(2), 142-145 (1993). 3 Burns, vol. 20, (1), 39-42 (1994).
Die Operationstechnik
Die Behandlung von Verbrennungspatienten mit der Meek-Technik (mit dem HUMECA-Hautschneidegerät und den Gewebeplissees) unterscheidet sich in den Grundzügen nicht von den etablierten Operationsmethoden. Der entscheidende Vorteil liegt in der vollständigen Ausnutzung der verfügbaren Spalthaut, dem exakt bestimmbaren Vergrößerungsverhältnis und daß auch auf infizierten Wunden gute Resultate erzielt werden. Zunächst werden die verbrannten Hautareale je nach Verbrennungstiefe epifaszial oder tangential entfernt. Dünne Spalthaut wird mit dem Dermatom, idealerweise bereits in einer Breite von 42 mm, entnommen. Diese Hauttransplantate werden auf eine 42 x 42 mm große Korkplatte mit der dermalen Seite nach unten aufgelegt. Auch kleinere Reststücke der Spalthaut können noch eingesetzt werden. Anschließend werden die Korkplatten, in einem Transport-schlitten fixiert, in das Schneidegerät eingeführt. Das Schneidegerät enthält 13 runde, rotierende Messer. Bei der Passage des Schlittens wird die Spalthaut in schmale Streifen geschnitten – die Korkplatte bleibt intakt. Ein zweiter Schneidedurchgang wird nach 900-Drehung der Korkplatte durchgeführt. Das Hauttransplantat wird also in 14 x 14 quadratisch Inseln zerteilt, jeweils von 3 x 3 mm groß.
Die Korkplatte wird nun aus dem Schlitten gehoben die epidermale Seite anschließend mit medizinischem Sprühkleber (Meek Adesive, Fa. Humeca) bedeckt. Nach kurzer Trockenzeit wird die Korkplatte auf die speziellen, vorgefalteten Gewebeplissees gedrückt. Dieses polyamide Gewebe ist auf einer Aluminiumfolie in 14 x 14 Quadrate vorgefaltet. Eine exakte Übereinstimmung mit den Transplantatinseln ermöglicht nun eine Weiterbearbeitung. Nach Entfernung der Korkplatte haften die Spalthautquadrate auf den Gewebeplissee. Durch gleichmäßigen Zug werden nun die Plissees gleichmäßig entfaltet.
Zum Schluß wird die Aluminiumfolie abgezogen und die Seitenränder des Gewebes entfernt (oder umgeschlagen). Die Micrografts werden nun auf die Wunde gelegt und z.B. mit Klammern fixiert. Nach ca. 6 Tagen ist die Haftung der Hauttransplantate ausreichend und das polyamide Gewebe kann entfernt werden. Übliche Verbandverfahren schließen sich bis zur kompletten Wundheilung an. Literatur: Burns (1993) 19, (2), 142-145. J. Trauma 29, 51 (1989). Informationen über die klinischen Resultate und Erfahrungen mit der Meek-Micrograft-Technik bekommen Sie von: Dr. med. R.W. Kreis Rode Kruis Ziekenhuis, Vondellaan 13, 1942 LE Beverwijk, Niederlande, Tel. +31 251 265555, Fax +31 251 222570
